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Dialogische Kommunikation - Arbeit an der Öffentlichkeit


Internet: Ein Medium zwischen Basis und Elite

Im Medienteil der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 6. März 2009 debattieren Ronnie Grob, Blogger bei «medienlese.com», und Otfried Jarren, Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Universität Zürich, über die gesellschaftspolitische Bedeutung des Internets. Während Grob in seinem Beitrag «Das Internet fördert die Demokratie» die sich im Internet manifestierende «Weisheit der Vielen» preist, behauptet Jarren in «Unersetzbare soziale Institutionen» die nach wie vor geltende Notwendigkeit einer von professionellen Journalisten vermittelten massenmedialen Öffentlichkeit, die die Gesellschaft kommunikative organisiert. Nach meinem Dafürhalten sind beide Positionen sowie richtig als auch falsch.

Die Basis erhält mehr Freiheiten; aber auch Pflichten
Die weltweit physische Vernetzung von privaten und öffentlichen Haushalten und Organisationen, die fast flächendeckende Einführung der Breitbandtechnologie sowie die relativ niedrige Eintrittsschwelle ins Netz der Netze hat eine noch nie dagewesene Voraussetzung für die dialogische Kommunikation unabhängig von Zeit und Ort geschaffen. Diese Entwicklung ist aber nur eine notwendige, und keine hinreichende Bedingung für die Demokratisierung der Gesellschaft. Die hinreichende Bedingung liegt in der Art und Weise, wie sich die Menschen untereinander austauschen. Die blosse Teilhabe an der Herstellung einer durch Online-Kommunikation vermittelten Öffentlichkeit mit Demokratie gleichzusetzen, wäre ein zweifelhafter Kurzschluss. Demokratie setzt gewisse Spielregeln im Verständigungsprozess voraus. Dazu gehört beispielsweise die Bereitschaft, sich mit fremden Standpunkten auseinander zu setzen, den eigenen Standpunkt durch Gründe, Argumente und moralische Empfindungen zu rechtfertigen sowie die Revision der eigenen Position im Lichte neuer Informationen und Argumente.

Die weltweit vernetzte Online-Kommunikation erhöht zwar die Freiheitsgrade des Einzelnen in Bezug auf die Deutungshoheit der unmittelbaren Lebenswelten, sie verpflichtet aber auch dazu, gewisse Spielregeln einzuhalten. Ein Beispiel, das in diesem Zusammenhang zu diskutieren wäre, ist die Homepage «www.come-to-switzerland.com», die Markus Gäthke im Abstimmungskampf um die Personenfreizügigkeit lanciert hatte (vgl. auch «Das Internet birgt Gefahren für die Politik.» auf dem Blog « www.zoonpoliticon.ch» von Claude Longchamp).

Erhöhter Rechtfertigungsdruck auf die Elite
Mit Jarren stimme ich überein, dass es die traditionellen Massenmedien nach wie vor braucht, damit innerhalb einer Gesellschaft eine kommunikativ vermittelte Auseinandersetzung über die geltenden Normen und Sitten stattfinden kann. Allerdings übersieht er, dass mit den Neuen Medien auch neue Akteure in diesem Verständigungsprozess auftreten. Diese Akteure und ihre Botschaften entsprechen nicht immer der Logik der traditionellen Medien. Denn sie getrauen sich auch mal zu fragen, mit was für einer Legitimation die sogenannt professionellen Journalisten massenmediale vermittelte Öffentlichkeit herstellen. Und was die Ziele und Motive der publizistischen Aktivitäten der grossen Verlage sind. Das gleiche gilt für die Akteure aus Politik und Wirtschaft. Die kritische Blogosphäre vermag Fragen aufzuwerfen, für die die publizistische, wirtschaftliche und politische Elite blind ist. Ob diese Fragen allerdings zu einem erhöhten Rechtfertigungsdruck für die herrschende Elite führen, hängt wiederum davon ab, ob die Kritik von den traditionellen Massenmedien aufgegriffen wird.

Dies zeigt einmal mehr: Bei der Debatte um das Internet und die dialogische Online-Kommunikation geht es nicht um das «Entweder-Oder», sondern um das «Sowohl-Als-Auch».

Weiterführende Links

Bildquelle

« Tendenzen der Digitalisierung – Plädoyer für «Bund 2.0» »

Info:
«Internet: Ein Medium zwischen Basis und Elite» ist Beitrag Nr. 15
Autor:
Christian Schenkel am 6. März 2009 um 14:19
Kategorie:
Grundlagen, Politische Kommunikation
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