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Dialogische Kommunikation - Arbeit an der Öffentlichkeit


Die «SonntagsZeitung» über «Bla-Bla-Blogger»

Wieder einmal holt ein Journalist aus der holzverarbeitenden Industrie (sprich: Printjournalist) zu einem Rundumschlag gegen Blogs und Blogger aus. Im Bund «Multimedia» der «SonntagsZeitung» vom 2. November 2008 behauptet David Bauer unter dem Titel «Bla-Bla-Blogger – die Rebellen versinken im Mittelmass», dass Schweizer Weblogs ihrem Anspruch auf Themensetzung nicht gerecht würden (Artikel online nicht verfügbar).

Zugegeben: Die hiesige kann man im Gegensatz zur us-amerikanischen Blogosphäre durchaus als unterentwickelt beurteilen. In den USA werden politische Blogs von den Meinungsmachern und Experten in einem Atemzug mit den traditionellen Medien zitiert. Der aktuelle Wahlkampf um die Nachfolge von Gorge W. Bush dokumentiert dies eindrücklich. Was also läuft schief in der helvetischen Blogosphäre? Es gibt verschiedene Gesichtspunkte, unter denen man die jüngsten Entwicklungen in der Online-Kommunikation diesseits und jenseits des Atlantiks beurteilen kann.

Anspruch

Die Motive, ein Blog zu betreiben, sind sehr unterschiedlich, manchmal sogar ziemlich diffus. Oft paaren sich Neugierde und Freude am Internet mit dem Bedürfnis, die eigene Sicht der Dinge mit anderen Menschen zu teilen. Daraus lässt sich aber noch keinen Anspruch auf öffentlich relevante Themensetzung ableiten. Viel interessanter erscheint indes die Möglichkeit, sich unabhängig von Zeit und Ort mit anderen Menschen, die eine ähnliche oder ganz andere Sicht der Dinge haben, auszutauschen. Man könnte in Anlehnung an Jürgen Habermas vom Primat des kommunikativen über das strategische Handeln sprechen. Es geht primär um Verständigung, und nicht um die Veränderung der Wirklichkeit nach den eigenen Interessen.

Strukturen

Dennoch scheinen Blogs, wie das Beispiel der USA zeigt, so etwas wie eine Teil- oder Gegenöffentlichkeit herstellen zu können. Dazu müssen aber gewisse Rahmenbedingungen verfüllt sein. Das virtuelle Spiegelbild der us-amerikanischen Öffentlichkeit im Internet erlaubt nun mal ganz andere Reichweiten als das deutschschweizerische oder welsche Pendant. Zudem pflegen die Medienschaffenden in den USA einen offenen Umgang mit neuen Kommunikationsmitteln. Viele Journalisten etablieren neben der Einwegkommunikation über die traditionellen Medien einen fruchtbaren Dialog mit ihren Rezipienten via Blog (z.B. www.npr.org/blogs). Die hiesigen Medienschaffenden indes haben einen irrationalen Abwehrreflex gegenüber Blogs. Die einzig löbliche Ausnahme ist André Marti. Schliesslich stellt sich auch die Frage, ob in einer direkten Demokratie mit einer sehr hohen Mediendichte das Bedürfnis nach zusätzlichen Kanälen, um gesellschaftspolitische Diskussionen zu führen, gross genug ist.

Wandel

Dennoch: Eines haben die jüngsten Entwicklungen in der Online-Kommunikation diesseits und jenseits des Atlantiks gemein. Die Bürger, Konsumenten, Angestellten, Rezipienten nutzen die dialogischen Möglichkeiten zunehmend, um ihre politischen Präferenzen zum Ausdruck zu bringen, um Produkte und Dienstleistungen zu bewerten, um ein transparentere Unternehmenskommunikation zu schaffen und die massenmedial veranstaltete Deutungshoheit zu unterwandern. Blogs stehen symbolisch für diese Entwicklung, die sich heute in den unterschiedlichsten Formen der dialogischen Online-Kommunikation ausdifferenziert hat. Die Konsumenten und Rezipienten erobern sich via Internet die Hoheit über die (Meinungs-)Märkte zurück

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« Kommentare im unternehmensinternen Netz – Ist die Blogosphäre tot? »

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«Die «SonntagsZeitung» über «Bla-Bla-Blogger»» ist Beitrag Nr. 11
Autor:
Christian Schenkel am 3. November 2008 um 21:58
Kategorie:
Medien
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