In der dialogischen Online-Kommunikation gibt der Umgang mit Kommentaren im unternehmensinternen Netz immer wieder Anlass zu Diskussionen. Heute erlauben viele Intranets nicht nur das Kommentieren von – mehr oder weniger – informellen Blog-Beiträgen, sondern auch von offiziellen Unternehmensinformationen in den entsprechenden Newskanälen. Sollen Kommentare zuerst gesichtet und allenfalls zensuriert werden? Oder sollen alle Mitarbeitende frei kommentieren können?
Um diese Fragen beantworten zu können, müssen gewisse Aspekte der Unternehmensstruktur und Unternehmenskultur geprüft und berücksichtigt werden.
Erstens hängt der Umgang mit Kommentaren von der Unternehmensgrösse ab. In kleineren Unternehmen, wo sich die Mitarbeitenden und Vorgesetzten gegenseitig persönlich kennen, ist die soziale Kontrolle in der Regel so gross, dass mit keinem Missbrauch der Kommentarfunktion zu rechnenen ist. Dafür ist in kleinen Unternehmen vermutlich auch die Nachfrage nach einer Kommentarfunktion eher gering.
Zweitens spielt das Alter eines Unternehmens eine Rolle. In traditionellen Unternehmen ist eine konstruktive Feedbackkultur über die Hierarchien hinweg in der Regel weniger selbstverständlich als in jungen Unternehmen. Die Einführung einer dialogischen Online-Kommunikation kann mitunter ein Hilfsmittel sein, um eine solche Feedbackkultur zu entwickeln.
Drittens muss die Führung eines Unternehmens die dialogsiche Kommunikationskultur mittragen. Dialogische Online-Kommunikation darf kein Selbstzweck, darf keine Alibi-Übung sein. Sie muss den Mitarbeitenden und dem Unternehmen einen ideellen und matriellen Mehrwert bieten. Das muss die Unternehmensführung erkennen und unterstützen.
Viertens müssen klare und für alle einsichtige Spielregeln bestimmt werden, wie mit Kommentaren umgegangen wird. Es ist durchaus legitim, dass ein Unternehmen die Kommentare zuerst von einem Moderator prüfen lässt. Beim Moderieren von Kommentaren gilt es aber Folgendes zu beachten: Die Kriterien für ein Veröffentlichung bzw. Nicht-Veröffentlichung müssen klar sein. Kommentare müssen mehrmals täglich moderiert werden. Der Autor eines Kommentars wird idealer Weise informiert, sobald sein Kommentar moderiert wurde.
Schliesslich empfehle ich, anonymes Kommentieren zu verunmöglichen. Die dialogsiche Online-Kommunikation ist eine Angelegenheit des gegenseitigen Vertrauens. Mit der Öffnung der elektronischen Informations- und Kommunikationskanäle übergibt die Unternehmensführung den Mitarbeitenden auch ein Stück Verantwortung. Die Mitarbeitden sollen sich im unternehmensinternen Netz frei, ja auch kritisch austauschen können. Doch sollen sie dafür auch mit ihrem Namen hinstehen können. Ist das anonyme Kommentieren unterbunden, minimiert sich das Risiko des Missbrauchs der Kommentarfunktion zu einem grossen Teil.
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